Montag, 5. Mai 1986

Herzschlagen

Elf Monate spüre ich mein Herz von Herzen schlagen, für Dich.Vier Wochen sind wir getrennt, Du und ich.Ich weiß, wir sehen uns in 30 Tagen vielleicht wieder.Ich hoffe, dass die Leere in unseren Gesprächen vorübergeht,
anhält. Denn ich will deine Stimme fühlen, Dein Wesen leben,
Dich und Deine Seele zu mir sprechen hören und ~ es schmerzt.
Meine Wunden sind aufgerissen, blutig verschmiert und trocken, ein einziger Stich,brüchige Krusten schwimmen im Abendlicht, aber die erwachsene Schutzschicht
gebietet es nicht. Ich leg Dir eine
Träne an Dein Herz, sie wird sich perlen und strahlen
in glänzenden Augen
, Dich blinzelnd suchen des nachts in Deinen Träumen.
Siehst Du den Schutzengel, und den fliegenden Teppich, sein Geleit.Noch verhüllt in Wolken voll Einsamkeit, hoffend auf Zweisamkeit.

(860605)

Freitag, 18. April 1986

Uhrenschlagen


Wie oft schon lag ich in meinem Bette und hörte die Schläge der Uhr
unerbittlich, überdeutlich? Ein später Wanderer läuft unter meinem
Fenster müden Schrittes entlang – erschöpft von den Aufgaben des
Tages. Langsam schleppt er sich dahin, ich höre Steine knirschen,
spüre vielleicht Schmerz. Sturm fegt den liegengelassenen Unrat in
alle Himmelsrichtungen – er säuselt etwas süßer als sonst. Und doch
kann er nicht ruhen. All das, was in seiner Seele aufgehoben, unbeachtet
geblieben, sprengt die Bänder seiner Fesseln. Und dann: konfrontiert -
unaussprechlich. Die Takte seines aufgewühlten Pulses überschlagen sich,
bruchstückweise. Die Seele kommt zu Ihrem Recht - auf diese Weise.Eigenwilliges Leben.

(18041986)