Freitag, 28. November 2008

Warum auch sagen, was das Herz empfindet

Musik -

Wer einsam steht im bunten Lebenskreise
Und was das Leben theuer macht, verlor,
Wie bebt sein Herz, trifft eine liebe Weise
Aus ferner Jugendzeit sein horchend Ohr.

Willkommne Töne! Eures Hauches Fächeln
Weckt eine schlummernde Gedankenwelt,
Verweinte Augen lernen wieder lächeln,
Die düst're Stirn ist plötzlich aufgehellt.

Der Zephyr, der in reichen Blüthendüften
Des Orients sich hin- und hergewiegt,
Verbreitet Balsamhauch noch in den Lüften,
Wenn schon die Blume welk am Boden liegt.

So lebt, ist auch der Traum des Glücks entschwunden,
Erinnerung im Hauche der Musik.
Ein kleines Lied aus jenen bessern Stunden
Bringt uns die alte Seligkeit zurück.

Musik, du Mächtige, vor dir entschwindet
Der armen Sprache ausdrucksvollstes Wort,
Warum auch sagen, was das Herz empfindet,
Tönt doch in dir die ganze Seele fort.

Der Freundschaft Worte haben oft gelogen,
Es täuscht die Liebe durch Beredtsamkeit;
Musik allein hat nie ein Herz betrogen
Und viele tausend Herzen hocherfreut.

Prinzessin Helene von Orleans
1814 im Schloß Ludwigslust - 1858, Twickenham, London

Kommentar veröffentlichen