Donnerstag, 8. Januar 2009

Gute Spiele, gute Menschen - Böse Spiele, böse Menschen?

Killerspiele sind auch nicht gewaltverherrlichender
als das Christentum



Und Minz und Maunz, die Katzen,

Erheben ihre Tatzen.

Sie drohen mit den Pfoten:

"Der Vater, die Mutter, hat's verboten!"

Miau! Mio! Miau! Mio!

Laß stehn! Sonst brennst Du lichterloh!"

Paulinchen hört die Katzen nicht!
Das Hölzchen brennt gar hell und licht,
das flackert lustig, knistert laut,
grad wie ihr’s auf dem Bilde schaut.
Paulinchen aber freut sich sehr
und sprang im Zimmer hin und her.





Killerspiele sind auch nicht gewaltverherrlichender als das Christentum
von Gideon Böss, 07.01.2009

Aktuell gibt es keinen Amoklauf, für den man "gewaltverherrlichende Spiele" verantwortlich machen kann. Also ist es eine gute Gelegenheit, über "gewaltverherrlichende Spiele" zu sprechen.

Counter-Strike und Co. machen aus Teenagern potentielle Terroristen und rauben ihnen ihre sozialen Kompetenzen. Dass Computerspiele so etwas wie Anleitungen zum Mord sind, ist seit Robert Steinhäuser bewiesen. Immerhin war der ein begeisterter Nutzer von Ballerspielen. Das ist die Logik, nach der gegen solche PC-Spiele argumentiert wird. Warum dann nicht auch das Frühstück in den Verdacht gerät, die Gewaltbereitschaft zu steigern, ist inkonsequent, immerhin nehmen erschreckend viele Kriminelle regelmäßig ein Frühstück zu sich.

Kann es vielleicht sein, dass ein Großteil der Ballerspiel-Kritiker keine Ahnung von dem haben, worüber sie sich so aufregen – und das ein Grund dafür ist, dass sie sich so aufregen - und von Ego-Shootern nur die Fotos aus den Medien kennen, auf denen Figuren erschossen zusammenbrechen? Irgendwie kommen mir die Reaktionen von Computerspielern souveräner vor, als die hysterischen Auftritte ihrer Kritiker.

Wo soll außerdem die Kampagne gegen Gewaltverherrlichung enden? Wenn solche PC-Spiele verboten werden – und es ist nicht einmal klar, nach welchen Kriterien ein Verbot ausgesprochen werden soll -, gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Gefahrenquellen, um die sich die Anti-Gewalt-Armee kümmern muss. Brettspiele etwa. In Risiko ist man gut beraten, die Welt zu erobern (Stichworte: Imperialismus, Kolonialismus, Nationalsozialismus), in Monopoly werden die Konkurrenten in den Ruin getrieben (raffgierige Manager, Heuschrecken, Raubtierkapitalismus), in Mensch ärgere dich nicht ist Egoismus gefragt (soziale Kälte, Ellenbogengesellschaft) und das altehrwürdige Schach kommt einem Vernichtungskrieg gleich. Es dürfte praktisch keine Spiele geben, die einen Menschen nicht in einen asozialen Charakterkrüppel verwandeln. Und damit wäre die Welt immer noch nicht gerettet. Was ist zum Beispiel zu tun, wenn Kinder Äste in Schwerter verwandeln? Bäume verbieten oder Kinder? Und über die verheerenden Folgen für Kinderseelen, wenn sie mit der Glorifizierung des Kreuzigungstodes konfrontiert werden, haben wir noch gar nicht gesprochen.Es dürfte überhaupt wenige Religionen geben, die nicht gewaltverherrlichend sind.

Ich für meinen Teil fand die brutalen Geschichten aus dem Struwwelpeter, in denen Kinder reihenweise die Daumen verlieren, verhungern, verbrennen oder ertrinken (kaum zu glauben, was für Gewaltfantasien Heinrich Hoffmann entwickeln konnten, obwohl er ein Leben lang kein Killerspiel vor die Tastatur bekommen hat), immer schlimmer, als Lara Croft durch Höhlenlabyrinthe zu führen und dabei menschliche und tierische Gegner auszuschalten. Vielleicht, weil für mich Lara Croft ein PC-Spiel war, das ich nie mit der Realität verbunden hätte, während die Geschichten rund um den Suppenkasper oder den bösen Friederich viel realistischer wirkten. Während solche Werke der schwarzen Pädagogik zum Ziel hatten, die kindliche Neugier und Abenteuerlust abzutöten (für Daumenlutschen beide Daumen abgeschnitten zu bekommen, würde selbst in Scharia-erprobten Ländern als leicht übertrieben durchgehen), können PC-Spiele sogar einen Beitrag dazu leisten, Teamfähigkeit zu lernen und Verantwortung zu übernehmen.

Gewaltbereitschaft hat sicher mit vielen Faktoren zu tun, mit kaputten Familienverhältnissen oder traumatischen Erfahrungen und manchmal auch damit, dass jemand schlicht ein Psychopath ist. Soll vorkommen, deswegen haben wir ja Polizei und Gefängnisse. Aber in denen dürften recht wenige begeisterte Zocker sitzen.

Verbrannt ist alles ganz und gar,
Das arme Kind mit Haut und Haar;

Ein Häuflein Asche bleibt allein
Und beide Schuh', so hübsch und fein.

Und Minz und Maunz, die kleinen,
die sitzen da und weinen:
»Miau! Mio! Miau! Mio!
wo sind die armen Eltern! wo?«
Und ihre Tränen fließen
wie’s Bächlein auf den Wiesen.



Was sagt Ihr dazu? Diskutiert mit!


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