Donnerstag, 18. November 2010

Editorial Nov 2010: Teste Deine Zufriedenheit

Lebst du authentisch und glücklich?
Warum Optimisten länger leben ;)

In einem Samenkorn ist bekanntlich die spätere Pflanze als Möglichkeit enthalten. Vergiß Freud, Adler, Les Fleurs du Mal und insbesondere die Neo-Sarkasmus-Zysten.
 

Viel zu lange wurde in der Psychologie und im Alltagsleben das Augenmerk auf "das fehlende, unvollkommende, zu korrigierende, zu verbessernde, zu verdrängte" gelegt.

Alle, die dieser Defekt-Fetischismus-Strategie zum Opfer gefallen sind, können jetzt aufatmen und sich ganz hingeben an ihre verspotteten 

"Guten Ansichten über das Leben". Lies bald das Buch "DER GLÜCKS-FAKTOR" von Martin E. P. Seligmann.


Positiv denken – das ist seit Jahren das Zauberwort von Coaching-Programmen, Manager-Trainings und einer wahren Armada von Lebenshilfe-Empfehlungen. Und Paul Watzlawick hat ihnen mit seinem Bestseller „Anleitung zum Unglücklichsein“ auch nur ein sarkastisches Gegenbild an die Seite gestellt.

Der Amerikaner Martin E. P. Seligmann, Professor für Psychologie an der University of Pennsylvania, stellt diesen Strategien zur Behebung leistungshemmender Defekte in seinem neuen Buch eine wirklich aufregende These entgegen:  

Der Mensch ist nicht mit der Erbsünde belastet, die ihn von vornherein mit dem Defekt des Unglücks belastet, sondern im Lauf seiner Evolution mindestens ebenso stark mit einer Art Glücksprogrammierung ausgestattet worden.

Seligman bezeichnet die negative Ansicht der Natur des Menschen als „Kernfäule-Dogma“, das sich wissenschaftlich gar nicht halten lasse. Er wirft der klassischen Psychologie, insbesondere Sigmund Freud, vor, sich allzu einseitig auf die Behebung von Defekten konzentriert zu haben, ja, gar in deren Kompensation und Sublimierung die menschliche Kulturleistung überhaupt zu sehen. So komme etwa auf 100 Untersuchungen zum Thema Trauer eine einzige zum Thema Glück. So erfolgreich die Psychologie auch in ihrem Kampf gegen die zahlreichen Defekte gewesen ist – immerhin gelten heute 14 von mehreren Dutzend ernsthaften seelischen Erkrankungen als mindestens bedingt therapierbar -, so wenig hat sie nach Seligmans Meinung zur Erkenntnis und Gestaltung der grundsätzlichen Glücksbefähigung des Menschen beigetragen.

Wie wichtig das aber wäre, macht der Autor zum Beispiel an einer Untersuchung der Lebensläufe von Nonnen klar. Die geistlichen Schwestern wurden deswegen ausgesucht, weil deren Daseinsumstände bis hin zur gesunden Lebensführung weitgehend unabhängig von persönlichen Schicksalen und darum vergleichbar waren. Das überraschende Ergebnis: Aus der beim Eintritt ins Kloster am positivsten gestimmten Gruppe waren im Alter von 85 Jahren noch 90 Prozent am Leben, aus der „unfröhlichsten“ hingegen lediglich noch 34 Prozent. Dem Glücklichsten also schlägt zumindest weitaus später die Stunde.

Wenn es also schon aus so „äußerlichen“ Gründen wie Gesundheit und Lebenserwartung extrem wichtig ist, das Potential an positiven Emotionen abzurufen, um wie vieles intensiver muss man dann darüber nachdenken, wenn es um die Lebensgestaltung, also um Fragen von Erfolg, Bestätigung, Kreativität geht?

Seligman kann auf eine ganze Reihe von Forschungsergebnissen verweisen, die beweisen, dass die Evolution uns sogar genetisch mit positiven Gefühlspotentialen ausgestattet hat. Die Zwillingsforschung bestätigt, dass Menschen von vornherein, also vom Erbe her unterschiedlich mit Anlagen der Bejahung wie der Verneinung ausgestattet sind. Diese Anlagen finden sich bei jedem Menschen, nur in unterschiedlicher Ausprägung. Die Evolution hat hinter dem ersten Verteidigungsring gegen Bedrohungen, der mit Abwehrgeschützen wie Angst oder Zorn besetzt ist, einen zweiten gebaut, der nicht zu Flucht oder Zerstörung führt.

Weil Gefühle wie etwa Angst, einseitig ins Gefecht geworfen, Lähmung, Wahrnehmungs-
verengung oder Intoleranz im Gefolge haben können, also unter Umständen kontraproduktiv werden, bedurfte die Natur im Laufe der Entwicklung der positiven Empfindungen, um Neugier, Kreativität, Toleranz zur Problemlösung ins Feld führen zu können. Im Wesen der Evolution liegt ja auch keineswegs Stillstand, sondern schöpferisches Fortschreiten.

Bei der Erforschung und methodischen Entwicklung dieses zweiten, eben auch zukunftsorientierten „Überlebensringes“ aber hat die traditionelle Psychologie, so Seligman, weitgehend versagt. So ist der zweite Teil seines flott geschriebenen, sehr persönlichen und lebensnahen Buches diesem Bereich gewidmet.

In einem Samenkorn ist bekanntlich die spätere Pflanze als Möglichkeit enthalten.
Sie wird sich dann aber je nach ihren Umweltbedingungen so oder so entwickeln. Entsprechend hat Seligman in seiner „Positiven Psychologie“, die man auch eine Art „Glücksforschung“ nennen könnte, eine Fülle von Möglichkeiten bestimmt, wie der Mensch in die Lage versetzt wird, seine vielleicht zur kurz gekommenen Glückstalente zu fördern und auszuprägen.

Seligman hat dazu 24 „Stärken“ aufgelistet, die von allen Kulturen anerkannt werden. Sie reichen von der Neugier bis zur Originalität und dienen der Orientierung, welche Lebensbereiche in einem selbst zu entwickeln sind. Und von geeigneten Kinderspielen bis hin zu sportlichen Aktivitäten reicht die Palette der Instrumentarien, mit denen der Mensch seine positive Grundierung stärken und ausbauen kann.

Die Erkenntnis der eigenen „Signatur“, also der Talente, Bedürfnisse, Werte und Wirkungen, ist dabei ebenso wichtig wie die Bereitschaft zum entdeckenden Handeln. Denn nichts wirkt für Seligman zerstörerischer als ein Hedonismus, der nur auf Genuss ohne Leistung gestützt ist.

Dieses Buch darf man getrost ein Brevier der Lebenskunst nennen, das sich auf eine wissenschaftliche Erforschung des entscheidenden sekundären Evolutionsschrittes stützt. Aber der Autor, der durchaus eine Hierarchie vom angenehmen über das gute zum sinnvollen Leben anerkennt, geht noch einen Schritt weiter:! „Positive Psychologie muss nach unten mit positiver Biologie und nach oben mit positiver Philosophie verbunden sein.“


Programmiere Dich ins Glück
Positiv leben und denken ist nicht nur gesund sondern gerade jetzt bewusstseinserweiternd, deviant, seelisch en vogue und
kosmisch grand Avantgarde!

Seligmann geht in seiner wissenschaftlichen Arbeit immer wieder der Frage nach, worin menschliches Glück besteht, wie es erreicht werden kann und warum Menschen, obwohl sie unter gleichen äußeren Bedingungen leben, dennoch nicht gleich glücklich sind. Dazu hat Seligman umfangreiche statistische Erhebungen gemacht und genau festgelegte Personengruppen über einen längeren Zeitraum beobachtet.

Das Ergebnis ist verblüffend, da die Forschung auf diesem Gebiet noch nie so systematisch betrieben worden ist wie hier. Lange Zeit glaubte man in den reichen Industrieländern des Westens, Glück basiere auf Reichtum, Luxus, materiellem Wohlstand und einem sorgfreien Leben. Mittlerweile ist man aber zu der Erkenntnis gelangt, dass hinter dem äußeren Schein eine tiefere Wahrheit liegen muss, die Menschen glücklich macht.

Es ist die Haltung zum eigenen Leben und zum Leben überhaupt, die einen Zustand des Glücks erzeugt. Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen als Therapeut plädiert Seligman deshalb dafür, dass jeder die guten, positiven Seiten seiner Persönlichkeit unterstützen und fördern sollte, damit die negativen nicht die Überhand gewinnen. So gelangt jeder zu wahren und nicht zu flüchtigen Glücksmomenten.

Das Buch von Seligman verfolgt ein doppeltes Ziel: Es referiert zum einen die neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse auf dem Gebiet der Glücks-Forschung, zieht Fallbeispiele und persönliche Anekdoten zur Veranschaulichung des Gesagten heran. Zum anderen ist es ein seriöser Lebens-Ratgeber für jeden, der über sich erfahren möchte, wo seine jeweiligen Stärken liegen, wie er sie erkennen, trainieren und stärken kann, um ein glücklicher Mensch zu werden.

Dieser Ratgeber kann viele auf das gemeinhin als "Das Wesentliche" bekannte zurückführen. Seligmann stellt scheinbare Insignien des Glücks (wie Fernsehen, Alkoholgenuss, freizügiges Leben, uneingeschränkten Konsum) infrage, da diese uns von uns selbst und vom Glück (miteinander, allein) nur ablenken. Das Leben ist zu kurz, um es mit Nebensächlichkeiten zu entwerten.

So, jetzt finde mal Deinen Glücksfaktor raus, der ist schließlich nicht unerheblich für die Liebesfähigkeit :-) Registriere Dich kostenlos auf der Website von Martin E.P. Seligman und mache die Tests noch an diesem Wochenende - allein oder im Freundeskreis - und am besten wiederholst Du die Tests viermal im Jahr zum Vergleich:

Sehr gute Literatur:
  • Mihaly Csikszentmihalyi: Das FLOW-Erlebnis (de)
  • Bernd Hornung: Glücksforschung und -Wissenschaft Bd. 1 / Bd. 2 (de)
  • David Meyers: The Pursuit of Happiness (en)
  • David Lykken: Happiness(en)
  • Nizami: Leila und Madschnun, Manesse Verlag
  • Sweet Flakes :-)

Lies weiter inside veryheaven


PS:
Wir
haben mit vier Coaching-Klienten über sechs Monate unter anderem die Seligman-Tests durchgearbeitet und anhand der individuellen Ergebnisse unproduktive Angewohnheiten und Denkfallen sukzessive verändert - mit sensationellenn Ergebnisse bei zwei Existenzgründern mit Angstneurosen und zwei Aussteigerinnen aus dem Mittleren Management mit Burn-out-Syndrom.

~ 18.11.2010 ~
(29.01. / 21.04. / 01.10.2009)

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