Montag, 12. Januar 2009

Editorial Jan 2009: Kevin Kostner traf seinen Schutzengel im Traum

Lange Zeit träumte ich schlecht. Wenn ich mich beim Aufwachen überhaupt an etwas erinnern konnte, dann an etwas Furchtbares. Das hat mir Sorgen gemacht. Wie die meisten Männer behielt ich meine Träume für mich. Mein Leben war anstrengend, ich war so beschäftigt. Ich konnte nicht darüber nachdenken. Ich träumte eben schlecht. Ich erinnere mich, früher meist sehr angenehme Träume gehabt zu haben: Reisen, Sport, Sex. Schöne Sachen. Ich hatte vermutlich die gleichen Träume, die jeder hat. Ich war es gewohnt, mit einem Lächeln zu erwachen. Aber solche Träume waren lange Zeit einfach verschwunden.

Vor genau zwei Monaten hatte ich meinen ersten schönen Traum seit neun Jahren.


In diesem Traum war ich auf einer Party. Ich befand mich zwar in London, aber die Party fühlte sich an, als fände sie in Amerika statt. Die Gäste waren nicht Hollywood-like, keine auffälligen Leute. Sie waren ganz normal angezogen. Straßenklamotten, Sweatshirts und Jeans. Die Party ging durch das ganze Haus. Unter den Gästen sah ich einen Mann. Er war nicht sehr groß, hatte etwa kinnlanges, dunkles Haar, einen Mittelscheitel und trug eine dunkle Brille. Ich weiß nicht, warum, aber ich war mir sofort sicher: Das ist ein Engel.


Er ging an mir vorbei. Ich war sehr aufgeregt. Aber er bemerkte mich nicht. Als ich mir die Partygesellschaft genauer ansah, entdeckte ich immer mehr Engel, die sich unter die Gäste gemischt hatten. Sie gingen einfach so umher. Ich wusste, dass sie Engel waren. Der Erste, den ich sah, schien zu mir zu gehören. Trotzdem schien er mich nicht weiter zu beachten. Ich versuchte, ihn anzusprechen. Er reagierte nicht. Sein Gesicht sagte mir: »Ich sehe dich. Du bist in Ordnung, Kevin. Aber du bist noch keiner von uns. Ich kann nicht mit dir reden.«



Im Laufe der Party suchte ich meinen Engel, immer und immer wieder. Wenn ich in einen anderen Teil des Hauses ging, tauchte er auch dort auf, und zwei oder drei andere waren bei ihm. Er konnte nicht durch Wände gehen oder so etwas. Ich versuchte noch einmal, ihn anzusprechen, als er die Treppe herunterkam, aber er wich mir aus.

Dieser Typ mit Brille und langen Haaren war plötzlich alles, woran ich denken konnte. Ich hätte ihm gern eine Menge Fragen gestellt. Irgendwann verlor ich ihn und verließ die Party.

Als ich aus dem Haus kam, sah ich ihn wieder. Er stand draußen auf dem Rasen und zog sich um. »Warum ziehst du dich um?«, fragte ich. Da antwortete er endlich: »Ich war falsch angezogen.« Er hatte sein Hemd in die Hose gesteckt und wirkte ein bisschen unsicher. Aber er schien mich zu mögen.


Das ist alles, woran ich mich erinnern kann. 
Danach wachte ich auf. Ich weckte Christine, meine Freundin, ich musste ihr diesen Traum sofort erzählen. Dieser Traum war etwas, das ich mir sehr gewünscht hatte. Alles war mir so real erschienen, dass ich sicher war: Die Engel sind unter uns. Und ich kann sie sehen. Ich war von einem unbeschreiblichen Glücksgefühl erfüllt. Es war wie eine Erlösung.

Ich stamme aus einer Mittelklassefamilie. Wenn etwas Großes und Ungewöhnliches in meinem Leben geschah, war ich immer sehr aufgeregt. Als kleiner Junge wurde ich schon kribbelig, wenn wir meine Großmutter besuchten. Heute ist das anders. Gerade war ich innerhalb von fünf Tagen in Rom, Paris, London und Hamburg. Ich habe nicht einmal Zeit, in diesen Städten auf die Straße zu gehen. Ich wohne in den schönsten Hotels, aber ich genieße es nicht. Ich erledige einfach Dinge. Über diese Reise habe ich nicht nachgedacht, bevor ich ins Flugzeug stieg.


Als Kind sah ich im Kino ein Bild, das mir lange in Erinnerung blieb.
Es zeigte ein Kanu, das einen vollkommen glatten See überquerte. Der Mann in dem Kanu war in Felle gekleidet. Er legte an und zog das Boot an Land, ich erinnere mich genau an das Geräusch, als es mit dem Boden über das Grass glitt: schhhhhhhhhhhhhhh.

Am Ufer standen exotisch gekleidete Menschen. Sie wirkten stark und sehr ruhig. Der weiße Mann mit dem Kanu hatte keine Furcht. Er ging auf die Leute zu. Es herrschte eine Atmosphäre von Ehrbarkeit und gegenseitigem Respekt.

Der Film hieß How The West Was Won von John Ford. Die Vorführung dauerte fast vier Stunden. Ich bewegte mich nicht während der Vorführung, nicht einmal während der Pausen. Ich wollte nicht eine Sekunde verpassen, nicht eine Note der Musik.

Die Bilder befeuerten meine Vorstellung. Meine Fantasie brannte. Ich wollte raus ins Weite. In der Schule fühlte ich mich nie wohl. Ich wollte solche Kanus bauen und die Flüsse befahren, auf denen sich auch der Mann aus dem Film bewegt haben musste.

Ich war ein Kind, das keine Autos mochte. Ich weiß bis heute nicht, wie man sie repariert. Ich kümmere mich nicht um Autos oder Kühlschränke oder Computer. Ich mag meine Hunde. Ich bewege mich gern auf unbefestigten Straßen. Ich mag es, mein Gewehr bei mir zu haben und meine Angel. Ich gehe, wohin ich will, und bleibe, so lange ich will. Und ich mag in einem Leben die Redewendung »Was wäre, wenn…«

Ich stelle mir Dinge vor, die es noch nicht gibt.
Ich bin aber kein richtiger Erfinder. So schlau bin ich nicht. Ich bin nicht derjenige, der einen I-Pod entwickelt. Als Junge habe ich mal zwei Kaffeedosen zusammengeklebt und ein Loch in den Boden von einer gebohrt. Dann bin ich damit ins Schwimmbad gegangen und unter Wasser getaucht. Ich wollte unten bleiben und die Luft aus den Kaffeedosen atmen, wie ich das bei einem Mann im Fernsehen gesehen hatte. Natürlich habe ich mich furchtbar verschluckt. All meine Freunde lachten. Sie nannten mich crazy Kevin. Aber das war mir egal. Misserfolge störten mich nie.



Heute gilt es als wichtigste Voraussetzung für Erfolg, dass man nichts riskiert. Du brauchst eigentlich nur zu spielen, dass du Erfolg hast. Mehr nicht. Aber wenn du Erfolg hast und einen Fehler machst, sind da eine Million Menschen, die über dich lachen. Ich habe immer versucht, der Angst vor dem Scheitern zu widerstehen.

Ich besitze zum Beispiel eine Firma, die ein Gerät entwickelt hat, mit dem man Öl aus Wasser lösen kann. Ölspuren und -teppiche, die Flüsse und Meere verschmutzen, lassen sich damit beseitigen. Außerdem habe ich etwa 20 Millionen Dollar in das flying wheel, eine mechanische Energiespeicher-technik, investiert. Und verloren. Wie gesagt: Ich hatte lange Zeit nicht die besten Träume.


Dieser Traum, letzten November, gab mir das Gefühl, dass immer ein Engel um mich herum ist. Er hat sich zwar seitdem nicht mehr gezeigt. Deshalb weiß ich nicht, ob er mein Schutzengel ist. Aber ich bin seitdem nicht von einem Truck überfahren worden, auch meine Kinder nicht. Meine Freunde und ich sind gesund. Ich hatte wirklich Glück in letzter Zeit.




BIOGRAFIE
Kevin Costner
 (56 Jahre / 2011) studierte Betriebswirtschaft und Marketing, um dann doch Schauspieler zu werden. Seine Karriere begann als Leiche in Lawrence Kasdans »The Big Chill«. Kasdan verpflichtete ihn erneut für seinen Edelwestern »Silverado« (1985). Mit »Die Unbestechlichen« (1987) gelang Costner der Aufstieg in Hollywoods Oberliga. Vorläufiger Höhepunkt seiner Karriere war der Indianerfilm »Der mit dem Wolf tanzt« (1990), der mit sieben Oscars ausgezeichnet wurde. Nach einer Reihe von Misserfolgen übernahm Costner Produktion, Regie und Hauptrolle in dem Cowboy-Film »Open Range« (Start 31. Januar 2004). Abdruck mit freundlicher Genehmigung -- DIE ZEIT vom 29.01.2004 - Nr.6


1. Bild rechts oben:
Erzengel Gabriel: Gottes Held, Gott ist meine Kraft, Hüter des Mondes: Erzengel Gabriel bringt uns Lebensfreude. Er steht für Klarheit, Reinheit, Ordnung. Er unterstützt uns bei Veränderungen, fördert Visionen, Träume und Kreativität. Erzengel Gabriel löst festgefahrene Situationen und unterstützt uns bei einem Neubeginn. Er ist der Engel der Verkündung, Gnade und Auferstehung. Überbrachte Maria die Nachricht von der bevorstehenden Geburt Jesu.

Bringt Freude, Optimismus und Hoffnung. Gabriel unterstützt die Menschen ihre Bestimmung zu erkennen. Er ist Patron des Fernmelde- und Nachrichtendienstes; der Boten, Postboten, Postbeamten und Briefmarkensammler.

3. Bild links unten:
Archaii, weibliche Erzengelkraft der violetten Strahlung (Amethyst). Sie wirkt mit Erzengel Zadkiel auf dem violetten Strahl (Umwandlung und Transformation), der Entfaltung, Intuition, Reinigung und Befreiung unterstützt.

-- 12. Jan. 2009 --

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